Camping oder Glamping: Campingtourismus als Trend, Nische, Vermassung oder glamouröses Camping?

Camping oder Glamping: Campingtourismus als Trend, Nische, Vermassung oder glamouröses Camping?

Bruneck, 09.05.2016: Die finale Veranstaltung des diesjährigen Tourism Management Club TMC der Freien Universität Bozen im Raiffeisen Forum Bruneck zum Thema „Camping oder Glamping“ war wie jeder TMC in diesem Jahr wieder sehr gut besucht.

Zunächst stellte Stefan Thurn, Chefredakteur des ADAC Campingführers aus München, klar, dass Camping auch in Südtirol einen Boom erlebt. Die letzten 10 Jahre zeigen einen 30% Zuwachs bei Übernachtungen im Campingbereich in Südtirol. Der allgemeine Trend zu Naturnähe und Nachhaltigkeit führte zu einem Imagewandel des Campings. Glamping steht für glamouröses Camping, dennoch gibt es keinen Unterschied in der Wertigkeit zwischen den beiden Segmenten. Ist Camping ein Aussteigen auf Zeit für Möchtegern-Abenteurer oder ganz simpel ein Billigurlaub? Die Antwort ist: weder noch! Wer sich ein Caravan für durchschnittlich 20.000 € oder ein Wohnmobil für 70.000 € leisten kann, gehört wohl kaum zur Gruppe der Billigtouristen.

Glampingobjekte, wie beispielsweise kleine Wohnhütten, sind im Vergleich dazu wesentlich preisgünstiger. Der oftmals von den Medien verwendete Modebegriff Glamping beschreibt keine Neuheit oder Innovation, sondern ist laut Thurn nur „alter Wein in neuen Schläuchen“. Was früher klassische Mietzelte waren, sind heute eben Safarizelte. In Südtirol ist das Potential für Camping und Glamping jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft. Auf 33,5 Hotelzimmer kommt nur 1 Campingstandplatz, und das, obwohl Camping keine Konkurrenz zum Hotel darstellt. Nach Stefan Thurn ist Camping im Mix der Übernachtungsmöglichkeiten in Südtirol erheblich unterrepräsentiert. Dementsprechend sollte diese Möglichkeit, zusätzliche Touristen nach Südtirol zu bringen besser genutzt werden und insbesondere das im internationalen Vergleich hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis Südtiroler Campingplätze voll ausschöpft und das Angebot erweitert werden.

Herr Andreas Happacher, Inhaber des Caravan-Park Sexten, bestätigte die von Herrn Thurn gemachten Aussagen vollinhaltlich. Camping ist nicht mehr das, als was es nach wie vor wahrgenommen wird. Der Caravan- Park Sexten bietet seinen Gästen volle Wahlfreiheit hinsichtlich des Angebots. In diesem sind unter anderem verschiedenen Restaurants, eine Wellnessanlage und unterschiedlichste Mietunterkünfte enthalten. Er betont, daß Camping zukünftig nicht in Vermassung enden wird, wie immer und vielfach befürchtet,  sondern dem Trend der immer stärkeren Individualisierung besser gerecht werden kann, als viele traditionelle, hotelbasierte Angebote. „Camping ist Vollsortiment“, so Happacher. Diese zunehmende Individualisierung setzt Campingplatzunternehmer stark unter Druck, Innovationen in ihr Angebot zu integrieren. Dies trifft insbesondere auf Glampingzu, da Glampingkunden zwar meist erfahrene Reisende sind, jedoch unerfahren mit Camping. Glamping erfordert daher im Vergleich zu traditionellen Campingangeboten viele zusätzliche  Serviceleistungen um dauerhaft Erwartungshaltungen befriedigen zu können.

 

FOTO v.l.n.r: Prof. Oswin Maurer (Dekan der Wirtschaftsfakultät der Freien Universität Bozen und TMC-Projektleiter), Andreas Happacher (Inhaber Caravan Park Sexten), Gita Menapace (TMC), Erik Bannwarth (TMC), Stefan Thurn (Chefredakteur ADAC Campingführer, München), Hugo Götsch (TMC-Projektkoordinator).

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